Direkt zum Hauptbereich

Ein Smartphone macht noch keinen Sommer: Eine didaktische Annäherung

Die Diskussion über Sinn und Unsinn von digitaler Bildung ist ein mühseliges Unterfangen. Die Beteiligten verlieren sich gerne im Kleingedruckten, so dass Vorurteile bestätigt scheinen (vgl. [5], [6]) und diese meiner Meinung nach bizarre Lösungsvorschläge hervorbringen. Zumindest fällt mir "bizarr" ein, wenn man es als einen sinnvollen Vorschlag erachtet, eine Handyzone - ähnlich wie die Raucherzonen auf den Bahngleisen - in den Schulen einzurichten (vgl. [7]).
Anstatt die Herausforderung anzunehmen und sich der Gegenwart zu stellen, vergeuden wir Ressourcen und Zeit mit Diskussionen, die sich im klein-klein verlieren. (vgl. [8]) Somit stellt sich nicht die Frage, ob Youtube-Filme oder Online-Übungen andere Methoden oder Medien ersetzen sollten. Ebenfalls empfinde ich es als unnötig, über den Sinn und Unsinn von BYOD zu diskutieren. Selbst das Jammern über den Untergang der Handschrift ist nicht das Thema (vgl. [1]; [16]). Wir verplempern Zeit, um darüber zu resümieren, ob die Tafel grün oder digital sein sollte. Lieber vertrödeln wir unsere Ressourcen, um über Handyverbote zu philosophieren. Währenddessen hängen uns andere Länder ab (vgl. [2]; [4], S. 30ff; [16]).

Alle diese Diskussionsebenen verdeutlichen im Kern, dass es zum einen an grundlegenden Überlegungen zur Didaktik und zum anderen an einer Grundlage an Technik bzw. Methodik fehlt. (vgl. [3])

In diesem Beitrag wende ich mich der Didaktik zu.

Überlegungen zur Didaktik

Meine These: Die Struktur der didaktischen Disziplinen ist unübersichtlich, so dass sich damit in der Praxis kaum auseinandergesetzt wird. Man sollte sich auf Grundprinzipien der Didaktik einigen und die Aufteilung hinsichtlich des Medieneinsatzes der Methodik zuweisen. In der daraus resultierenden Verknüpfung ergibt sich ein praxisnaher und verständlicher Mehrwert für eine Lehrkraft und einer Lerngruppe.

Unbestritten ist eine didaktische und methodische Erarbeitung von digitalen Medien im Unterricht notwendig, soll ein Unterricht zielführend und gewinnbringend sein. (vgl. [14]) Dies bedeutet, dass die Lehrkraft eine Bedeutung hat. (vgl. [15])

Dennoch sehe ich ein Problem: Die Auseinandersetzung der Didaktik mit neuen Medien zeigt keine gerade Linie. Der Fehler liegt meines Erachtens darin, dass der Fokus zu sehr auf Pilotprojekte lag bzw. liegt, damit das Land und die Schule sich werbewirksam profilieren können. Die Didaktik stürzte sich auf diese Projekte und es entstanden verschiedene Unterdisziplinen und Theorien, die zu einer unnötigen Fragmentierung (vgl. [3]; [12]; [13], S. 7) der Didaktik führte, wie beispielsweise E-Learning, Blended Learning, Mediendidaktik oder Web-Didaktik. Dies mündete in einer Vermischung von Didaktik (Warum) und Methodik (Wie), welches zu einem Dickicht an Unterrichtsvorschlägen sorgte. Außerdem wird die Technik nicht als Teil eines Gesamtkonzeptes betrachtet, sondern nur als Spezialdisziplinen. Wohin soll diese Klassifizierung führen? Wie viele Unterdisziplinen, Begriffe und Theorien soll es noch geben, wenn man die Vielzahl an technischen Geräte betrachtet?

Nach meiner Meinung benötigt es eine solche Klassifizierung nicht, denn sie führt zu Verwirrungen, zeitraubenden Diskussionen und verschreckt das Kollegium. 

Die Grundlagen einer Didaktik sind Universal. Hingegen lassen sich die Medien aufgrund der zugrundeliegenden Methode unterteilen. 

Beim genauen nachlesen unterscheiden sich die didaktischen Disziplinen nur in der Nutzung der Medien. Somit scheint es sinnvoller zu sein, diese Medien in Bezug auf die Methodik gesondert zu betrachten. Diese Erkenntnis weist auf die Methodik, die ich in der Verantwortung sehe, sich entsprechend zu unterteilen. Betrachtet man die Ausführungen zur Mediendidaktik, dann wird meiner Meinung nach die Trennung zwischen Didaktik und Methodik nicht vollzogen. (vgl. [9], [10], [11]) Gerade diese Trennung würde zielführend sein.

In diesem Beitrag nähere ich mich daher indirekt der Frage, ob beispielsweise eine Mediendidaktik als eigenständige Disziplin notwendig ist oder sich eine universale Didaktik getrennt von einer Methodik definieren lässt.

Mein Ziel für diesen Beitrag ist, dass sich am Ende ein Gedanke für eine allgemeingültige Didaktik herausbildet, die sich mit beliebigen Methoden verbinden lässt. Diese Trennung würde eine Besinnung zu den anfänglichen Definitionen von Didaktik und Methodik ermöglichen. (vgl. [17]) Sozusagen die Didaktik wieder erden.

Was Didaktik ist und bleibt

Unabhängig vom Medium und der Methodik, gelten meiner Ansicht nach die folgenden Punkte hinsichtlich der Didaktik. (vgl. [10], [11]) 

Die Didaktik …
  1. … ist die Befähigung, den Unterrichtsinhalt an die Lerngruppe anzupassen.
  2. … verwendet Methoden, um Inhalte zu transportieren.
  3. … stellt die Ergebnissicherung fest.
  4. … ermöglicht eine transparente Bewertung der Leistung.
  5. … gewährleistet eine adäquate Rückmeldung bezüglich der getätigten Leistung. 
In dem Sinne verstehe ich die Didaktik als das Konzept eines Unterrichtes.

Was die Didaktik in Bezug zur Methodik ist

Ein Konzept benötigt Werkzeuge und ein Handwerk, um die Ziele und Rahmen zu verwirklichen. Die Werkzeuge sind die Medien und die Methodik das Handwerk. Die Didaktik bindet die Werkzeuge und das Handwerk zusammen, damit ein Kunstwerk entsteht. In der Betrachtung der obigen fünf Punkte sind didaktische Grundüberlegungen anzustellen, die unabhängig vom Medium gelten:
  1. Bedarf es für die Bedienung des Mediums Grundfertigkeiten, die die Lehrkraft und/oder die Schülerinnen und Schüler erwerben müssen? Ist das Medium schlüssig in der Bedienung? Es sollte klar sein, dass aller Anfang schwer ist. Dennoch sollte ein Medium nach der Einarbeitung simpel und flüssig zu bedienen sein. Beispielsweise waren die Konzepte manch mobiler Klassenzimmern auf die Weise aufgebaut, dass die Bedienung trotz Einarbeitungszeit umständlich blieb.
  2. Führt das Medium zum Lernziel oder ist es nur Selbstzweck?
  3. Wie gut lassen sich mit dem Medium Transferleistungen umsetzen bzw. erzeugen?
  4. Welche Voraussetzungen müssen die Räumlichkeiten erfüllen? 
Ich denke, dass diese Überlegungen für jede Unterrichtsvorbereitung gilt, gleichgültig, ob das Medium analog oder digital ist.

Keep it simple

Die Hauptargumente, die ich erhalte, wenn Kolleginnen und Kollegen darlegen, warum sie digitale Medien nicht nutzen, dass diese zu kompliziert sind und selten funktionieren.

Aus diesem Grund bin ich der Meinung, dass wir dem Motto folgen sollten „Keep it simple“, welches sich nicht nur auf die Technik bzw. Methodik beschränkt, sondern auf die Didaktik auszudehnen ist. 

Die Trennung von Didaktik und Methodik würde in dieser Hinsicht helfen, denn …
  1. … in der Lehrerausbildung könnte man sich auf die Schulung von Werkzeugen beschränken und nicht kompletter Didaktiken, die im Grunde „gleich“ sind.
  2. … in der Lehrerausbildung könnte der Fokus auf die Didaktik in ihren Grundprinzipien gelegt werden. Dies könnte der Praxisorientierung dieser Ausbildung zu Gute kommen.
  3. … die Technik könnte in einem didaktischen Gesamtkonzept eingebunden und gesehen werden. 
Dieser Beitrag hat den Anspruch, einen Impuls zu geben, die Didaktik hinsichtlich der Mediennutzung zu überdenken.

In einem weiteren Artikel widme ich mich der Technik bzw. der Methodik.

Quellen

[1] http://www.zeit.de/wissen/2018-04/schreiben-handschrift-digitalisierung-hirnforschung-neurologie

[2] https://www.infopoint-security.de/digitales-klassenzimmer-deutschland-hinkt-hinterher/a15165/

[3] http://www.usinger-anzeiger.de/lokales/usingen/gespraechsreihe-wie-digital-sind-die-hessischen-klassenzimmer-wie-digital-sollten-sie-sein_18655897.htm

[4] https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/Studie_IB_Chancen_Risiken_digitale_Medien_2015.pdf

[5] https://sozpaed99.blogspot.de/2018/04/herr-kaube-was-soll-das-imho.html

[6] https://sozpaed99.blogspot.de/2017/07/bitte-sachlich-bleiben-imho.html

[7] https://www.klicksafe.de/fileadmin/media/documents/pdf/klicksafe_Materialien/Lehrer_Allgemein/Schulordnung_fuer_Handys_klicksafe.pdf

[8] https://sozpaed99.blogspot.de/2018/03/die-welt-ist-digital-warum-nicht-die.html

[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Mediendidaktik

[10] http://www.uni-magdeburg.de/fgse/dekanat/lehre/wiki/lib/exe/fetch.php/lehre/sose2014n/differentielle_lern-_und_bildungssettings/suess-et-al.-mediendidaktik.pdf

[11] https://www.uni-bamberg.de/fileadmin/uni/fakultaeten/split_didaktik/englisch/Didaktik-Methodik.doc

[12] https://www.die-bonn.de/wb/2015-mediendidaktik-01.pdf

[13] http://www.gdsu.de/gdsu/wp-content/uploads/2012/11/peschel.pdf

[14] https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/pdf/PresseUndAktuelles/2017/2017-12-12_Digitalisierung_Schule_TUM_ZIB_Pilotsynthese.pdf

[15] Delia Hillmayr, Frank Reinhold, Lisa Ziernwald, Kristina Reiss, Digitale Medien im mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht der Sekundarstufe Einsatzmöglichkeiten, Umsetzung und Wirksamkeit, 2017, Waxmann, https://www.tum.de/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/detail/article/34369/

[16] https://youtu.be/D8G42zcHdNE

[17] http://lakk.sts-ghrf-ruesselsheim.bildung.hessen.de/modul/unterrichtsplanung_einfue/material/Didaktische_Analyse.pdf

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Vor Scheuklappen ist niemand gefeit (IMHO)

In meinem letzten Artikel [vgl. 1] schrieb ich, dass ich der Twitter-Gemeinde viele Ideen und Anregungen verdanke, die meine Unterrichtsgestaltung bereichert haben. Dennoch gibt es einen Umstand, der selbst vor modernen Pädagoginnen und Pädagogen nicht Halt macht:

Ohne eine nähere Definition zu pauschalisieren.
In Bezug auf die Nutzung von digitalen Werkzeugen für den Unterricht erkenne ich Parallelen hinsichtlich des Begriffes „Lehrerzentriert“ [vgl. 2].

Herr Kaube, was soll das? (IMHO)

Ich gebe es zu. Ich hatte eine Bildungslücke, denn bis zum 30.03.18 kannte ich Herr Jürgen Kaube, Redakteur bei der FAZ, nicht.

Da ich ein Abo bei der FAZ habe, lernte ich ihn heute kennen. Zumindest seinen "interessanten" Schreibstil und seine Verabscheuung gegenüber der Digitalisierung im Bildungsbereich.

Wie es aussieht schreibt Herr Kaube gerne RANT-Artikel. Diese Art von Artikel müssen nicht fundiert sein und bedürfen auch keines besonderen guten Schreibstils. Und das Beste an solchen Artikeln ist, man darf alle anderen für Fehler, seien sie real oder erfunden, schuldig sprechen und dies mit Korrelationen belegen, dass einem die Haare zu Berge stehen. Der ironische Unterton darf natürlich nicht fehlen, um so was wie Witz oder kritischen Journalismus vorzutäuschen.

Digitaler Unterricht aus der Praxis - Lust auf eine Blogparade

Vorneweg Digital unterrichten ist für mich lebenlanges Lernen. Ich sehe mich daher immer am Anfang meiner digitalen Entwicklung. Ein ständiger Beta-Status. Zwar beanspruche ich für mich seit längerem das eigenständige Lernen (gezielt formuliert vor rund drei Jahren vgl. [1]), dennoch erst seit diesem Halbjahr habe ich das Gefühl via Digitalisierung einen „Durchbruch“ zu erzielen, sprich es formt sich langsam ein Konzept (dank Twitterlehrerzimmer). Dieses Konzept habe ich für mich in dem „Dreischritt“ zusammenfasst: Sammeln, Üben und Zusammenführen.