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Welches Linux darf es sein? (IMHO)

Seit kurzem bietet die neue c't spezial- Ausgabe Hilfestellungen für den Umstieg auf Linux. Dieses Problem, Stufe oder Phase habe ich - denke ich - überwunden.
Meine Hürde ist eine andere: welches Linux darf es sein?



Vorgeschichte

Meinen Start hatte ich vor rund 15 Jahren mit SuSE-Linux 6.3 oder 6.4. Als blutiger Anfänger in Sachen Technik, habe ich zu diesem Betriebssystem gegriffen, da Windows 98 SE es einfach nicht mehr sein durfte und konnte. Win 98 SE war und ist für mich mit Abstand das schlechteste Betriebssystem, das ich je unter Microsoft kennenlernen durfte. Selbst Win ME war dagegen, was ich als zweites Betriebssystem danach auf der Platte hatte, eine Bereicherung.
SuSE-Linux war für den Einstieg das beste Linux, da man als Anfänger nicht viel mit "selbst" erstellen bzw. eigenständig zusammenstellen anfangen konnte, wenn es keine Benutzeroberfläche dazu gab. Etwas nur mit Hilfe von Zeilenkommandos zu bedienen, war einfach nicht im Bereich des Vorstellbaren.

Vor knapp neun Jahren hatte ich mir ein Laptop mit Win XP zugelegt. Versuche Linux darauf zu installieren, scheiterte an der mangelnden Treiber-Unterstützung, wobei ich Win XP nicht als schlecht empfand. So kam ich danach an Win 7 und für kurze Zeit an Win 8. Doch mit der Zeit wuchs die Unzufriedenheit, da man nicht nur immer mehr gegängelt wurde (Cloud-Account), sondern der Pflegeaufwand durch die verschiedensten Update-Stellen stieg.
Vor drei Jahren schnappte ich mir die beigelegte Ubuntu-DVD einer c't-Ausgabe und installierte diese mal zur Probe auf einen ausgedienten Rechner. Ich fühlte mich gleich wieder zu Hause. Und ich erkannte, wie viel sich getan hatte.
Es brauchte aber noch eine kurze Phase mit Win 8 bis ich dann endgültig auf Linux wechselte, wobei endgültig nur halb stimmt, jetzt läuft halbproduktiv auf meinem Rechner Win 7, um die Windows-Spezifischen Dinge am Laufen zu haben. Mein neuer (gebrauchter) Laptop wird von Linux angetrieben.

Wechselbad der Gefühle

Zwischen der Ubuntu-DVD und Windows 8 hatte ich die ein oder andere Linux-Variante produktiv im Einsatz. Und auch jetzt komme ich diesbezüglich nicht zur Ruhe. Ich kann mich schlicht und ergreifend nicht für eine Variante entscheiden.
Was habe ich alles ausprobiert und im Einsatz gehabt:

Ubuntu

Eine sehr schöne Distribution, besonders, wenn man wieder reinkommen möchte oder als Anfänger bereit für den Wechsel ist. Ubuntu kommt meist mit einem recht aktuellen Kernel und auch die meiste Software ist auf dem neuesten Stand. Ich erlebte nur den ersten  Dämpfer, weil man irgendwie sich bedrängt fühlte, Ubuntu One zu verwenden oder nun seine Daten an Amazon weiter zu geben. Und wenn man die Software wirklich aktuell halten wollte, kam man an den PPA nicht rum. Dies barg nur die Gefahr, dass man sich in diesen Paket-Quellen verzettelte, so dass man sein System zerschoss. Sehr positiv fiel mir die Verwendung von apt-get auf, insbesondere apt-get autoremove, um überflüssige Dateien zu entfernen. Außerdem ist die Dokumentation, die man im Internet findet, unschlagbar gut.
Die Benutzeroberfläche Unity war für mich weniger ein Problem, auch wenn diese an einigen Stellen wenig intuitiv erschien. Skeptisch bin ich nach wie vor, ob "sudo" hinsichtlich der Sicherheit gleich oder schlechter ist als "su" (Trennung von root und user in Bezug auf das Passwort)

Linux Mint

Um diese Gängelung nicht zu haben, aber den Komfort von apt-get zu nutzen und um auch recht aktuell zu bleiben, stieg ich auf Linux Mint. Ich verfing mich aber bald im Netz der Paketquellen. Die Benutzeroberfläche empfand ich als nicht gerade schlecht, aber es reist einen nicht vom Hocker, wenn man mal was "modernes" haben möchte. Positiv war, dass man die "Reichweite" der ubuntu-Paketquellen nutzen kann, aber nur dabei vorsichtig dosieren sollte.
Natürlich fallen die einfachen Einstellungsmöglichkeiten (u.a. WLAN, Drucker, Themes) ins Gewicht.

openSUSE

Dann kam ich auf openSUSE, sozusagen zurück zu den Anfängen. Ich hatte diesen Schritt lange Zeit gemieden, weil ich die letzte openSUSE-Version, die ich genutzt hatte, als besonders instabil in Erinnerung hatte. openSuSE 13.1 ist stabil. Besonders gut gefiel mir die Anbindung von Paketquellen, nervig war nur, dass man bei manchen Installationen die Paketquellen komplett wechseln musste. Wenn dann bei der Quelle die benötigte lib nicht dabei war, dann war der "Ofen" aus. Hinsichtlich Aktualität von Paketen und Software ist openSuSE unschlagbar. Vieles wird über die Haupt-Quelle (u.a. LibreOffice) angeboten, so dass kaum zusätzliche Quellen eingebunden werden müssen. Dies mindert das Problem, ein Paket-Quellen-Salat zu haben, der dann das System zerschießt. Nur wenige Pakete/Software gab es für openSuSE (trelby) gar nicht oder ziemlich veraltet (kazam).
Das Problem beginnt dann, wenn man zu viel installiert, denn ein Pendant zu apt-get autoremove - der auch zuverlässig funktioniert - gibt es nicht. Auch insgesamt hat man das Gefühl, dass das System langsamer läuft, als unter den Ubuntu-Varianten. Hinzu kommt, dass KDE4 und Gnome3 zwar super modern daher kommen, aber nichts zu 100% korrekt funktioniert. Ein Grauen ist "kontact" und KMail. Der Vorteil von openSuSE schnell andere GUI nach zuinstallieren, verliert an Charme, weil irgendetwas dann nie richtig klappt.
Gewöhnungsbedürftig ist die restriktive Handhabung von Einstellungen (u.a. WLAN und Drucker), denn hierfür benötigt man zunächst root-Rechte. Dies erschwert manches.

Nur für kurze Zeit

Zwischen diesen Wechseln hatte ich noch andere Distributionen im Programm.

Debian

Warum nicht zu den Wurzeln, dachte ich mir, als ich Debian ausprobierte. Debian in der stable Variante verdient in jeder Hinsicht diesen Namen. Es funktioniert alles. Möchte man aber aktuelle Software, dann muss es schon Testing sein. Dieser Name ist auch berechtigt, es ist eine Test-Version. So machte ich die Erfahrung, dass diese Variante einfach nicht auf meinem Rechner ohne Beschwerde laufen wollte. Besonders die Grafik-Treiber-Unterstützung war nicht produktiv zu bekommen.
Bei mir in der Schule habe ich einen Server mit Debian stable laufen, wegen der Stabilität.

Fedora

Diese Linux-Variante hatte ich vergleichsweise lange im Einsatz. An Aktualität kommt diese an openSuSE ran. Schwierig wurde es, wenn man nach "ausgefallender" Software gesucht hatte. Diese gab es zwar als rpm-Paket, aber optimiert für openSuSE. Wenn man auf andere GUI wechseln wollte und auch alle benötigten Pakete installiert hatte, gab es trotzdem Probleme, denn diese neue GUI lief einfach nicht.

elementary OS

Es war wirklich nur ein kurzer Ausflug. Besonders gefiel mir der freundliche Umgang mit den Ressourcen meines Rechners. Nur der Unterbau (Ubuntu 12.04 LTS) machte es etwas umständlich, da die Treiber-Anbindungen mit einem aktuellen Kernel beispielsweise nicht abgedeckt waren. Doch ich warte auf die neue Version, die mit Ubuntu 14.04 kommen soll.

Was bleibt

Aktuell bin ich wieder bei Linux Mint, da dies in der Gesamtsumme am besten gefiel. Insbesondere da die Programme laufen, die ich aktuell nutze. Bei openSuSE musste ich da doch manche Abstriche machen, da die Pakete dazu nicht angeboten wurden. Dennoch setze ich openSuSE vermehrt bei mir in der Schule ein bzw. installiere dies auf immer mehr Rechnern, gerade aufgrund der restriktiven Einstellung.
Von Windows bin ich nicht ganz weg, da ich Hardware (Scanner) und Software (Word-Dokumente) habe, die einfach Windows brauchen. Eine Virtualisierung habe ich lange Zeit ausprobiert, klappt in den meisten Fällen ganz gut. Dennoch muss man mit Einschränkungen leben, da dies den Rechner beeinträchtigt und auf dieser Windows-Umsetzung sich nicht jede Software problemlos installieren lässt.

Komplett zu Windows zurück will ich nicht mehr, da Linux zu viele Vorteile bietet (u.a. einheitliche Update-Funktion, Sicherheit, Softwareangebot). Nur welches Linux soll ich verwenden, da es
  • möglichst aktuell sein soll.
  • eine sinnvolle Paketverwaltung haben sollte.
  • Ressource-Schonend sein sollte.
  • intuitiv in der Bedienung sein sollte.
Letzter Punkt hängt aber mehr an der GUI und da habe ich bemerkt, Cinnamon macht da am meisten "Spaß". Dennoch Linux Mint ist nicht zu 100% mein Favorit.

UPDATE: KUbuntu hatte ich kurze Zeit auch im Einsatz. doch da zeigten sich deutlich die Nachteile von KDE4. U.a. war KMail unbrauchbar.
UPDATE 2: Habe den Text auf Rechtschreibung und Sinnergänzungen korrigiert. Leider habe ich keine Ahnung, wie man dies mit dieser Blog-Software genau kenntlich macht, da ich nichts gestrichen habe. Ich hoffe, dass man dies mir nach sieht.

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