Direkt zum Hauptbereich

Der Tellerrand

Manchmal ist der Tellerrand näher als man denkt. Und dies musste ich in meiner "Paradedisziplin" den "neuen Medien" erfahren.

An meiner Schule bin ich für die Technik zuständig. Daher ist es nicht untypisch, dass ich mich über technische Neuerungen und Entwicklungen informiere und diese dann ebenso verwende. Entsprechend meiner Aufgabe stelle ich dem Kollegium in der Regel diese technischen Errungenschaften vor, in der Erwartung die Technik in den schulischen Alltag für die Schule umsetzen zu können. Selten kann ich meine Begeisterung für die Technik weiter an die Zuhörer transportieren. Dies erzeugt Frust auf beiden Seiten. Ich verstehe die Welt nicht, wie man solche Errungenschaft nicht gut finden kann. Das Kollegium versteht meine Sichtweise nicht, da der Nutzen für den Unterricht nicht zu erkennen ist.


Erst letztes Jahr erkannte ich meine Fehler in meiner Denkweise, um Technik für den Unterricht als nützlich einzustufen:
  • ich nutzte wenig effektiv die Technik. Dies beschreibe ich am Beispiel LaTeX: Mit dieser "Programmiersprache" erstellen sich die anschaulichsten und besten Arbeitsblätter, die sich hinsichtlich des gestalterischen Niveaus auf professioneller Ebene bewegen. Dennoch benötigt es eine lange und intensive Einarbeitungszeit, um die passenden Pakte beispielsweise zu finden und zu prüfen, ob alles an seinem gewünschten Platz ist. Die Suche nach Lösungen zu Programmierfehlern in den endlosen Welten der Foren zähle ich mal nicht.
    Somit steckte ich gefühlt unendlich viel Zeit in die Programmierung, anstatt ein x-beliebiges Programm zu starten, dass die Gestaltung im Hintergrund absolviert.
  • kein Weg war mir zu kompliziert. Bei neuer Technik nehme ich mir Zeit, diese zu erkunden. Damit wäre ich beim ersten Punkt. Dies führt dazu, dass mir der Weg bis zum Ziel gleichgültig ist; Hauptsache ich erreiche das Ziel. Dabei notiere ich mir die Hürden und gehe diesen Weg ein weiteres Mal. Dies lässt sich am Beispiel Moodle zeigen: Bis zur Version 2.0 mussten mehrere Schritte vollzogen werden, bis endlich eine Datei im Kurs zur Verfügung stand. Ebenso unendlich viele Wege existierten, diese Datei zu löschen. Für mich war die länge der Strecke bis zum Ziel nicht relevant, da ich den Weg zum Ziel kannte.
Diese beiden Punkte haben ihren Vorteil, wenn ich mich mit dem Aufsetzen eines Servers befasse oder neue Webdienste implementiere. Da darf Zeit für die Recherche vergehen. Es gibt keine direkten Wege, um die Lösungen für Probleme in diesen Bereichen zu finden.
Diese Punkte sind komplett kontraproduktiv, um auf der Basis einen Unterricht umzusetzen oder aufzubereiten. Es geht um Zeit und Effektivität. Fünfundvierzig Minuten geben einen knappen Rahmen vor.

Es verstrich Zeit bis ich dies erkannte und daraus lernte. Mittlerweile prüfe ich die Produkte, die eventuell für den Einsatz im Unterricht in Frage kommen, auf zwei Kriterien: simple und smart.

Wie diese Kriterien anzuwenden sind, brachte mir indirekt und ungewollt mein Kollegium an einem Beispiel bei: ELMO.
  • simple: ELMO lässt sich intuitiv bedienen, da ich keine Kollegin und keinen Kollegen kennen, die nicht auf Anhieb mit diesem Gerät zurechtkam.
  • smart: Mit Hilfe dieser Geräte lässt sich im Grunde alles an die Wand projizieren, das nicht bei drei auf den Bäumen ist.
Ich hatte bisher nicht das Vergnügen, einen ELMO anzuwenden. Dies hole ich bald nach. Was wichtiger für mich ist: Meine nächste Testrunde (Verwendung von HDMI-Sticks) lege ich an diese Kriterien an.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Vor Scheuklappen ist niemand gefeit (IMHO)

In meinem letzten Artikel [vgl. 1] schrieb ich, dass ich der Twitter-Gemeinde viele Ideen und Anregungen verdanke, die meine Unterrichtsgestaltung bereichert haben. Dennoch gibt es einen Umstand, der selbst vor modernen Pädagoginnen und Pädagogen nicht Halt macht:

Ohne eine nähere Definition zu pauschalisieren.
In Bezug auf die Nutzung von digitalen Werkzeugen für den Unterricht erkenne ich Parallelen hinsichtlich des Begriffes „Lehrerzentriert“ [vgl. 2].

Herr Kaube, was soll das? (IMHO)

Ich gebe es zu. Ich hatte eine Bildungslücke, denn bis zum 30.03.18 kannte ich Herr Jürgen Kaube, Redakteur bei der FAZ, nicht.

Da ich ein Abo bei der FAZ habe, lernte ich ihn heute kennen. Zumindest seinen "interessanten" Schreibstil und seine Verabscheuung gegenüber der Digitalisierung im Bildungsbereich.

Wie es aussieht schreibt Herr Kaube gerne RANT-Artikel. Diese Art von Artikel müssen nicht fundiert sein und bedürfen auch keines besonderen guten Schreibstils. Und das Beste an solchen Artikeln ist, man darf alle anderen für Fehler, seien sie real oder erfunden, schuldig sprechen und dies mit Korrelationen belegen, dass einem die Haare zu Berge stehen. Der ironische Unterton darf natürlich nicht fehlen, um so was wie Witz oder kritischen Journalismus vorzutäuschen.

Digitaler Unterricht aus der Praxis - Lust auf eine Blogparade

Vorneweg Digital unterrichten ist für mich lebenlanges Lernen. Ich sehe mich daher immer am Anfang meiner digitalen Entwicklung. Ein ständiger Beta-Status. Zwar beanspruche ich für mich seit längerem das eigenständige Lernen (gezielt formuliert vor rund drei Jahren vgl. [1]), dennoch erst seit diesem Halbjahr habe ich das Gefühl via Digitalisierung einen „Durchbruch“ zu erzielen, sprich es formt sich langsam ein Konzept (dank Twitterlehrerzimmer). Dieses Konzept habe ich für mich in dem „Dreischritt“ zusammenfasst: Sammeln, Üben und Zusammenführen.