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Und man haucht ihr neues Leben ein

Ich gebe es zu. Ich bin schuld. Das zuzugeben, ist nicht leicht, denn ich investierte viel Mühe und Zeit, um dieses Baby auf die Welt zu bringen. Zwischenzeitlich erklärte ich es für Tod, da es einging. Es fand keine Akzeptanz bei den anderen Mitgliedern meiner Gruppe. Und vor allen Dingen, es fand keine mehr bei mir. Schlichtweg gab ich die Hoffnung auf, es weiter am Leben erhalten zu können. Nicht ich, sondern eine andere Person kämpfte allein um dieses Baby.

Das Baby ist mittlerweile rund acht Jahre alt und nennt sich Moodle.
Die Entstehungsgeschichte ist schnell erzählt. Im Rahmen meines Referendariats sollten wir ein Projekt auf die Beine stellen, das den Schulalltag bereichert. In meiner grenzenlosen Naivität entschloss ich mich für eine komplette Neuinstallation und Integration der Lernplattform Moodle.
Die Installation nahm nicht ich vor, sondern wurde an einen Kollegen delegiert. Ich übernahm die Administration. Mittlerweile gehören beide Teile zu meinen Aufgaben.

Anfänglich hegte ich die Vorstellung, dass die Lernplattform eine breite Akzeptanz finden würde. Moodle bot meiner Meinung nach in Form eines neuen Mediums, die Möglichkeit, seinen Schülerinnen und Schülern ebenfalls Hause am Puls des Unterrichtes zu sein. Doch meine ersten Schulungsangebote blieben innerhalb mehrerer Jahre mäßig besucht. Zwar gab es manche Kollegin und manchen Kollegen, die ihr Glück mit Moodle versuchten, doch verzweifelten sie an der Bedienung. Diesen Umstand verüble ich ihnen nicht, denn die Bedienung war bis zur 2.0-Version in vieler Hinsicht alles andere als intuitiv. Bis diese Version erschien, war der Ruf von Moodle ruiniert.

Den (beinahe) Todesstoß versetzte Moodle die geringe "Nachfrage" bei den Schülerinnen und Schülern. Das hatte mehrere Gründe:
  1. Die wenig ansprechende Bedienung kam nicht an.
  2. Die Selbst-Registrierung an einer Online-Plattform schreckte viele Eltern ab.
  3. Die Passwort-Vorgaben verleiteten die Schülerinnen und Schüler, dieses bald zu vergessen.
Es gelang mir nicht auf beiden Ebenen, Kollegium wie Schülerschaft, den Mehrwert von Moodle nahezulegen. Am Ende sah ich für mich ebenfalls keinen Mehrwert, sondern eher eine Belastung. Beispielsweise stellte ich meine Arbeitsblätter neben der üblichen Kopie ebenso auf verschiedenen Online-Plattformen (OneDrive und Moodle) zur Verfügung.

In den letzten zwei Jahren gab es einen Kollegen, der mit seinen Klassen die Lernplattform am Leben hielt.

Ich hatte die Begräbniszeremonie im Blick, als dann ein kleines Wunder geschah: die Nachfrage an der Lernplattform Moodle stieg.
Dies hatte einen simplen Beweggrund. Über die Lernplattform legen wir unseren Vertretungsplan ab. Dieser stand während der Beta-Phase ausschließlich der Oberstufe zur Verfügung. Seit letztem Jahr ist der Plan für die gesamte Schülerschaft freigegeben. Und mit einem Mal wollen alle auf Moodle.

Mit dieser neuen Entwicklung wuchs in mir der Drang, die Plattform erneut mehr in meinen Unterricht zu integrieren. Um eine entsprechende Basis zu haben, räumte ich mit vergangenen Fehlern auf:

  • eine Selbstregistrierung gibt es nicht mehr. Das Kollegium und die Schülerschaft erhalten von mir einen Benutzernamen und Passwort, per CSV-Import. Bei der Erstanmeldung muss das Passwort nach bestimmten Kriterien geändert werden.
  • ich habe Moodle auf die letzte Version aktualisiert, die zurzeit der Server und die Datenbank ermöglicht. Das ist zwar die Version 2.7.16+, aber gegenüber der Version 2.6, die lange Zeit bei uns im Einsatz war, ein Quantensprung. Ich habe vor bis zur 3.1 zu aktualisieren. Zuvor muss ich die Datenbank auf InnoDB umstellen. Dies führe ich nicht während des Schulbetriebes durch.
  • Moodle soll überall erreichbar sein, ohne dass nach Benutzername und Passwort lange gesucht werden muss. Daher kommt mir die Moodle Mobile-App gerade recht. Diese ist schnell eingerichtet und die Benutzerdaten sind nicht jedes Mal neu einzugeben.
  • das Angebot muss stimmen. An diesem Punkt bin ich mir nicht ganz schlüssig, was das sein kann.
Auf jeden Fall arbeite ich gerade fleißig daran, der Lernplattform neues Leben einzuhauchen. Ich bin gespannt.

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