Tschüss Facebook

Ein Freund von Facebook war ich nie. Nach einem ersten Versuch löschte ich bald meinen Account. Doch diese Phase der Abstinenz hielt nicht lange, denn als Betreiber eines Blogs freut man sich über Leserinnen und Leser. Bedauerlicherweise musste ich feststellen, dass man dann an Facebook und die eingekauften Dienste nicht vorbeikommt, möchte man eine gewisse Reichweite haben. So richtete ich mich häuslich in Facebook ein.
Mit dem aktuellen Skandal, der mich in meinen Vermutungen zu Facebook bestätigte, sehe ich mich wieder vor dem Dilemma, das sich an zwei Punkten ausmachen lässt:
  1. Ich bin zum einen nicht von dem Ereignis überrascht, aber dennoch über die Dreistigkeit erschrocken, wie dieser Konzern mit diesem Skandal umgeht, denn eine Bitte um Entschuldigung ist nicht genug. Das Ausschließen des verantwortlichen Unternehmens ebenso wenig, denn beide Aktionen ändern nicht den Kern des Problems. Daher bin ich der festen Überzeugung, dass sich an der Machart von Zuckerberg in Zukunft nichts ändern wird. Aus diesem Grund müsste man seinen Account löschen.
  2. Dennoch ist die Suche nach Alternativen ein Problem, denn sie gibt es kaum. 

Ein langer Weg

Für mich überwiegt der erste Punkt, so dass ich meinen Account löschen werde, denn die Konsequenzen aus dem Facebook-Dilemma reichen weit, wie Ranga Yogeshwar in seinem Gastbeitrag „Entzieht Facebook die Betriebserlaubnis!“ in der FAZ treffend analysiert. Am liebsten würde ich diesen Schritt so bald wie möglich umsetzen, denn dies ist die einzige Option, wie ebenfalls Carsten Drees mit seinem Beitrag zu #Faxit darlegt.

Wie bei allem rund um Facebook, gleicht ebenfalls das Löschen des Accounts dem Durchgang eines Irrgartens. Die Anmeldung auf Facebook ging vergleichsweise schnell.
Im ersten Schritt löschte ich meine Seite "Sozpaed", nachdem ich fast fünf Minuten nach dem Knopf in den Einstellungen gesucht hatte. Wie mir Facebook mitteilte, habe ich im Grunde nur einen Löschantrag gestellt. Ich muss 14 Tage auf eine Bestätigung warten. Dieser Umstand hindert mich daran, meinen regulären Account zu löschen. Soviel weiß ich jetzt schon, die endgültige Löschung erfolgt erst nach 90 Tagen. Dass dies reine Schikane ist und nichts mit technischer Erfordernis zu tun hat, muss man nicht näher erklären.

Blieben nur zwei Dienste übrig, die ich aus dem Facebook-Universum nutze: Instagram und WhatsApp.

Instagram weine ich keine Träne nach, denn ich hatte mir aus reiner Neugier einen Account angelegt. Problematischer ist dies bei WhatsApp, was mich direkt zu der Frage nach den Alternativen führt.

Das User-Problem – die Suche nach der Alternative

Ein soziales Netzwerk lebt mit seinen Usern. Hat es keine oder nur wenige User, fällt es diesem Netzwerk schwer, sich zu etablieren. Ein Netzwerk wächst aber nur, wenn es User hat. Ein ähnliches Problem hatte Microsoft mit seinen Windows Phones. Da es keine Apps vorweisen konnte, gab es kaum Nutzer. Ohne eine nennenswerte Anzahl an Nutzern, programmiert niemand Apps. Somit blieb der Erfolg aus.

Für Facebook fand ich einen Ersatz in Google+. Zwar weist es deutlich weniger Nutzer auf als Facebook, dennoch empfinde ich diese Plattform im Vergleich zu Facebook als deutlich aufgeräumter und weniger überladen. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass es keinen zusätzlichen Account bedarf, da ich schon länger über einen Google-Account verfüge.
Wie zuvor erwähnt, gibt es einen bestimmten negativen Punkt: die geringer Anzahl an Nutzern. Aufgrund der geringen Nutzerdichte sind viele Beiträge veraltet, so dass es schwer fällt auf dem neuesten Stand zu bleiben. Außerdem finden sich manche Gruppen nicht. Daher musste ich zwei Gruppen einrichten: Open Educational Resources (DE), Medienbildung

Nun könnten manche behaupten, dass man nur von einer Datenkrake zur anderen wandert. Dieser Auffassung kann man durchaus sein und ich halte diese auch für berechtigt. Drei Aspekte bewegten mich zu diesem Schritt:
  1. Ich möchte meine Blog-Beiträge irgendwie verbreiten. Dazu ist ein soziales Netzwerk ein wichtiges Instrument.
  2. Ich nutze viele Google-Produkte, so dass Google mir einen gewissen Nutzen bringt, den ich in meinem Alltag einbinde. Facebook bietet diesen Mehrwert nicht.
  3. Ich schätze, dass Google mit den Nutzerdaten sorgsamer umgeht. Beweise habe ich nicht, nur meine Erfahrung, die ich mit Google-Produkten gemacht habe. 
Zu WhatsApp finden sich unzählige Alternativen. Besonders in den letzten Jahren tauchten einige Anbieter auf. Sie leiden alle an dem gleichen Phänomen: keine Nutzerbasis. Um kommunizieren zu können, benötigt man jemanden gegenüber. Diese fehlen schlichtergreifend.

Dennoch möchte ich mir eine Alternative näher anschauen: Hoccer

Das Interessante an dieser App ist, dass man nur seinen Namen zur Anmeldung angeben muss. Die App generiert eine eindeutige ID. Diese ID gibt man zur Kommunikation weiter, die man über einen Fingerabdruck verifiziert.

Fazit

Lange Rede, kurzer Sinn. Mit Ablauf der 14 Tagen lösche ich meinen Account bei Facebook. Vielleicht folgen mehr meinem Beispiel, zumindest scheint es Prominente zu geben. Dass jede Einzelne und jeder Einzelne etwas an diesen Zuständen (beispielsweise Alternativen nutzen) ändern kann und die Macht dazu haben, zeigte sich in der jüngeren Geschichte mit Nokia.

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