Direkt zum Hauptbereich

"Mein kleines Übungsheft"-Reihe

Lange ist es her, dass ich etwas geschrieben habe. Dies bedeutet nicht, dass nicht viel passiert ist. Eher fehlte die Zeit, die neuen Erfahrungen in einem Artikel aufzubereiten. Diesmal nutze ich ein kleines Zeitfenster, um über eine – für mich – neue Herangehensweise zu berichten.

Wie in einem anderen Artikel dargestellt, bin ich hinsichtlich neuer Methoden im Mathematikunterricht auf Entdeckungsreise. Die letzten Monate nutzte ich die Zeit, um diesem Bestreben nachzugehen, die ich in anderen Beiträgen kurz darstellte.

Vorüberlegung

Vermehrt stellte ich in meinem Unterricht fest, dass die pädagogische Arbeit in einer Ambivalenz verhaftet bleibt:
  • Einerseits soll dieser den Schülerinnen und Schülern die Freiheit geben, Lerninhalte eigenständig zu erarbeiten.
  • Andererseits soll dieser den Schülerinnen und Schülern die Rahmenbedingungen für ihr Lernen vorgeben.
Hinzu kommt, dass in den letzten Jahren im Fach Mathematik der Fokus der Verlage verstärkt auf kompetenzorientierte und differenzierte Lerninhalte gesetzt wurde. Meiner Meinung nach ging dies zu Lasten des reinen Übens, d.h. das Wiederholen, Festigen und Erarbeiten von Arbeitsschritten und Prozessen. Diese fehlen in den Mathematikbüchern oder wurden auf ein Niveau reduziert, dass ein Vertiefen von Arbeitsschritten oder -verfahren kaum möglich ist.

Dieser Umstand erschwert meiner Ansicht nach den Mathematikunterricht. Das Üben bildet die Basis, auf die sich ein kompetenzorientierter und differenzierter Mathematikunterricht stützt.

Die Reihe "Mein kleines Übungsheft" stellt ein Baustein zur Lösung zur genannten Ambivalenz dar und füllt die Lücke an fehlenden Übungen. Ein kompetenzorientierter und differenzierter MU baut auf diese Übungen auf. Aus diesem Grund ist die Reihe ein Teil eines Unterrichtskonzeptes, dass entsprechend der Lerngruppe im Detail variiert.

Um die Übungshefte in ihrer eigenen Form nicht zu überfrachten, verstehe ich diese als Aufbau und Festigung (sprich das Üben) von Basiswissen, damit experimentelle Aufgaben mit Transferleistung darauf aufbauen können.

Umsetzung und Aufbau der Übungshefte

Die Übungshefte nannte ich "Mein kleines Übungsheft", um zu verdeutlichen, dass diese Hefte den Lernenden "gehören". Mit Hilfe der Hefte sollen die Schülerinnen und Schüler zu Hause und/oder in der Schule eigenständig Themen erarbeiten und üben.

Die Übungshefte sind jeweils elf Seiten lang und beinhalten eine Seite mit Lösungen. Zu den Lösungen habe ich bewusst die Rechenschritte nicht notiert, da mir die Versuchung zu groß erschien, diese zu übernehmen. Entsprechend des Themas habe ich in den Übungsheften Erklärungen eingebaut, damit die Schülerinnen und Schüler während der Übungsphase eigenständig gängige Fragen beantworten können. Inhaltsverzeichnis und Impressum fehlen ebenfalls nicht.

Integration in den Unterricht

Die Wirkung der Übungshefte „entfaltet“ sich in einem entsprechenden aufgebauten Unterricht. Hierbei konzipierte ich diesen nach den folgenden Gesichtspunkten:
  • Zu Beginn einer Einheit führte ich die Begrifflichkeiten und Basisinformationen ein, damit die Schülerinnen und Schüler theoretisch ohne weitere Hilfe die Übungshefte bearbeiten können.
  • Die Schülerinnen und Schüler finden sich eigenständig in Gruppen zusammen. Die Gruppengröße ist nicht festgelegt.
  • Schülerinnen und Schüler, die entweder das gesetzte Arbeitspensum erreicht haben oder mit dem Übungsheft fertig sind, sollen andere Schülerinnen und Schüler beim Erarbeiten unterstützen.
  • Um eine angenehme Arbeitsatmosphäre zu schaffen, durften die Schülerinnen und Schüler während der Übungsphase Musik (mit Kopfhörer) hören, Essen und Trinken.
  • In den Übungsphasen sind die Schülerinnen und Schüler angehalten, zu flüstern.
  • Je nach Lerngeschwindigkeit unterbrach ich die Übungsphasen, um auf häufige Fragen einzugehen.
  • Zu manchen Themen erschien es mir sinnvoll, das Übungsheft in kleinere Einheiten zu unterteilen und vor jeder Teileinheit führte ich die Begrifflichkeiten und Rechenwege ein.
  • Die Schülerinnen und Schüler durften über Online-Recherchen oder Offline-Recherchen das Wissen zusammentragen, um die Arbeitsblätter zu bearbeiten.
  • Bei einer Lerngruppe führte ich zusätzlich Wochenaufgaben ein, die die Übungshefte ergänzten. Die Wochenaufgaben habe über Google Formular erstellt.
  • Regelmäßige Lernkontrollen oder Übungstest fragten den Inhalt der Übungshefte ab.
  • Bei einer Lerngruppe sammelte ich die Übungshefte ein und kontrollierte, inwiefern diese bearbeitet wurden.
  • Je nach Zeitrahmen erarbeiteten die Schülerinnen und Schüler im Anschluss der Übungshefte kleinere bis größere Aufgaben, die darauf ausgelegt waren, das Basiswissen auf verschiedene Art und Weise abzufragen.

Themenübersicht

Zurzeit habe ich folgende Themen über Übungshefte abgedeckt. Mir ist es nicht möglich, alle unter die Creative Commons stellen. Alle Übungshefte dürfen für den Unterricht kopiert und eingesetzt werden. Ich habe die Lizenz zu den Übungsheften dazu geschrieben:

Erstellung

Die Umsetzung der Übungshefte nutzte ich, um die Stärken und Schwächen meiner meist genutzten Programme für Arbeitsblätter zu beleuchten. Dabei kam ich abhängig vom Thema zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Die Übungshefte, die unter Copyright stehen, habe ich mit Worksheet Crafter erstellt, da die verwendeten Grafiken und Elemente eine Creative Commons-Lizenz nicht ermöglichen. Die anderen Übungshefte entwarf ich mit MS Publisher. Die Cliparts entnahm ich aus openclipart.org.

Der Worksheet Crafter bietet den Vorteil, dass viele Elemente (Körper, Rechenkästchen, Cliparts) für den Unterricht vorgefertigt sind, so dass teilweise die Erstellung mit diesem Programm zügig von der Hand ging. Außerdem bietet Worksheet Crafter von sich aus ein gut strukturiertes Arbeitsblatt.

Im MS Publisher lassen sich die Grafiken aus MatheGrafix besser einbinden, da man die Größe nach „Maß“ angeben kann. Der Nachteil lag in der fehlenden Struktur, so dass ich mir zunächst eine Vorlage „bastelte“.

In Bezug auf Mathematik finde ich den Formeleditor im Worksheet Crafter besser umgesetzt, als im MS Publisher, da sich die Formeln besser in den Text einbinden lassen. Optimal ist es in beiden Fällen nicht. In dieser Hinsicht wünschte ich mir eine Lösung, wie es Word mit dem (neuen, d.h. nicht 3.0) Formeleditor anbietet. Ich kann nicht nachvollziehen, warum Microsoft den Formeleditor aus Word nicht im Publisher zur Verfügung stellt.

Tutory.de fiel als Kandidat aus. Es scheiterte in erster Linie an der Möglichkeit, die Schriftgröße nicht alleine auf das ganze Dokument, sondern in den einzelnen Elementen formatieren zu können. Außerdem lassen sich die Formeln nicht in den Text einbauen.

An scribus versuchte ich mich ebenfalls. Die Umsetzung enttäuschte mich, da ich zu sehr mit Fragen des Designs beschäftigt war, als mit der inhaltlichen Ausarbeitung. Aus diesem Grund übersprang ich LaTeX, da eine Umsetzung eines Projektes in dieser Größenordnung in eine Art „Programmierung“ münden würde, so dass wenig Zeit für den Inhalt geblieben wäre.

Einen „Sieger“ gibt es nicht. Vielmehr weisen die Programme spezifischen Vor- und Nachteile auf. Worksheet Crafter bietet die Möglichkeit zeitnah ein strukturiertes Arbeitsblatt zu erstellen. MS Publisher verfügt über bessere Hilfswerkzeuge (Hilfslinien, Größeneinstellungen usw.). In beiden Fällen erhält man professionelle Arbeitsblätter. Dass dies bei den Übungsheften nicht unbedingt anzumerken ist, lag nicht an der verwendeten Software, sondern vielmehr an meiner fehlenden Erfahrung in diesem Bereich.

Fazit

Es ist verfrüht, um über Erfolg oder Misserfolg dieser Herangehensweise meines Mathematikunterrichtes zu spekulieren. Zumindest deuten die ersten Klassenarbeiten daraufhin, dass diese Methode erfolgreicher ist, als mein bisheriger Unterricht. Es ist erkennbar, dass Schülerinnen und Schüler, die bisher Schwierigkeiten mit Mathematik hatten, sicherer im Umgang mit Rechenwegen wurden. Das soziale Gefüge verbesserte sich, da die Schülerinnen und Schüler über die Themen ins Gespräch kamen und sich gegenseitig in der Bearbeitung unterstützten.

In ersten Rückmeldungen bestätigten die Schülerinnen und Schüler meinen Eindruck, dass das Lernen sich verbessert hat.

Am Ende des Schuljahres kann ich mehr dazu sagen.
UPDATE (13.05.17): Ich korrigierte einige stilistische Fehler und setzte Verweise direkt auf die Übungshefte.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Vor Scheuklappen ist niemand gefeit (IMHO)

In meinem letzten Artikel [vgl. 1] schrieb ich, dass ich der Twitter-Gemeinde viele Ideen und Anregungen verdanke, die meine Unterrichtsgestaltung bereichert haben. Dennoch gibt es einen Umstand, der selbst vor modernen Pädagoginnen und Pädagogen nicht Halt macht:

Ohne eine nähere Definition zu pauschalisieren.
In Bezug auf die Nutzung von digitalen Werkzeugen für den Unterricht erkenne ich Parallelen hinsichtlich des Begriffes „Lehrerzentriert“ [vgl. 2].

Herr Kaube, was soll das? (IMHO)

Ich gebe es zu. Ich hatte eine Bildungslücke, denn bis zum 30.03.18 kannte ich Herr Jürgen Kaube, Redakteur bei der FAZ, nicht.

Da ich ein Abo bei der FAZ habe, lernte ich ihn heute kennen. Zumindest seinen "interessanten" Schreibstil und seine Verabscheuung gegenüber der Digitalisierung im Bildungsbereich.

Wie es aussieht schreibt Herr Kaube gerne RANT-Artikel. Diese Art von Artikel müssen nicht fundiert sein und bedürfen auch keines besonderen guten Schreibstils. Und das Beste an solchen Artikeln ist, man darf alle anderen für Fehler, seien sie real oder erfunden, schuldig sprechen und dies mit Korrelationen belegen, dass einem die Haare zu Berge stehen. Der ironische Unterton darf natürlich nicht fehlen, um so was wie Witz oder kritischen Journalismus vorzutäuschen.

Digitaler Unterricht aus der Praxis - Lust auf eine Blogparade

Vorneweg Digital unterrichten ist für mich lebenlanges Lernen. Ich sehe mich daher immer am Anfang meiner digitalen Entwicklung. Ein ständiger Beta-Status. Zwar beanspruche ich für mich seit längerem das eigenständige Lernen (gezielt formuliert vor rund drei Jahren vgl. [1]), dennoch erst seit diesem Halbjahr habe ich das Gefühl via Digitalisierung einen „Durchbruch“ zu erzielen, sprich es formt sich langsam ein Konzept (dank Twitterlehrerzimmer). Dieses Konzept habe ich für mich in dem „Dreischritt“ zusammenfasst: Sammeln, Üben und Zusammenführen.