Montag, 14. Januar 2019

Knapp genau ist auch getroffen (IMHO)

Die Hattie-Studie geht in eine weitere Runde (vgl. [1]). Wenig überraschend ist die Kernaussage, dass der Lehrer entscheidend für den Unterricht ist. Die Wirkung von digitalen Medien auf den Unterricht wird ebenfalls näher betrachtet. Dabei bescheinigen sie diesen eine geringe Wirkung auf den Unterricht. Naturgemäß stürzen sich die Medien auf diese Aussage, um "kritisch" über den Sinn von Medien im Unterricht zu berichten (vgl. [1, 2, 3]).

Davon abgesehen, dass die Studie unter Pädagogen umstritten ist, bin ich mir beim Autor, Prof. Dr. Klaus Zierer, der diese Studie als Grundlage für seine Veröffentlichungen nutzt, hinsichtlich seiner Ausrichtung unschlüssig. In einem Interview (vgl. [3]) zeichnet er sich durch Medienkritik aus, mit der er vermutlich ein Anwärter auf den Anti-Digital-Argumente-Bingo-Preis wäre (vgl. [4]). Dass das Interview kein "Ausrutscher" war zeigte er mit seinem Buch "Lernen 4.0" (vgl. [7]). Somit ist es nicht verwunderlich, dass die Presse die Studie als Beweis sieht, dass die digitale Medien nichts im Unterricht zu suchen haben. Er verbiete sogar in seinen Vorlesungen Laptops und Tablets. Es irritiert, dass er dennoch nicht ganz abgeneigt ist, Medien einzusetzen, denn dies betrachtet er als weltfremd. Er sieht die Vorteile in einzelnen gezielten Anwendungen. Ich schätze, dass diese Darlegung ebenfalls zum Bingo gehören könnte, da dies zur Standardargumentation der Gegner gehört. Es scheint, als würden sie den Befürwortern damit einen Brocken zu werfen wollen.

Ich lese die Studie anders:
  • Kein Unterricht wurde schlechter durch digitale Medien. In jedem Fall gleich oder besser, somit sehe ich dies als positiven Effekt. Aus dieser Überlegung leitet sich der Titel ab.
  • Würde in die Ausbildung und Fortbildung bezüglich der Neuen Medien mehr investiert, dann wäre der Effekt deutlich positiver ausgefallen, denn dies zeigte diese und die Hattie-Studie zuvor (vgl. [1, 6]).
  • Die Auslegung der Studie legt nahe, dass man auf digitalen Unterricht verzichten sollte. Diese Auffassung ist in der jetzigen Situation im Hinblick auf die Vorbereitung auf die Berufswelt und in der Betrachtung des aktuellen Standes der Medienbildung (der aktuelle Hacker-Skandal bei Politiker und Journalisten fällt da rein) nicht tragbar. Vielmehr sollte der Umkehrschluss sein, mehr in die Ausbildung der Lehrkräfte in diese Richtung zu unternehmen, damit digitaler Unterricht sinnvoll funktioniert, denn er ist jetzt schon mindestens gleich oder effektiver.
  • Die Auslegung suggeriert, dass die Befürworter rein auf die Technik setzen. Diese Auslegung ist falsch, da weder diese Studie noch andere Berichte diese Bestrebungen belegen. Vielmehr sollten wir die Grabenkämpfe beilegen und uns endlich um sinnvolle Konzepte bemühen.
  • Die Auslegung suggeriert, dass man mit analogen Mitteln immer einen guten Unterricht erstellt. Betrachtet man die Ergebnisse der Studie genau, ist eine solche Schlussfolgerung nicht nachvollziehbar. Eher ist es so, dass digitale Mittel mindestens zu einem ebenbürtigen Unterricht führen.
Ich finde es bedauerlich, dass eine solche Studie, die trotz aller Kritik viel Potenzial bietet, auf diese Weise reduziert wird, um den Grabenkrieg weiterzuführen (vgl. [8]). Parolen wie "Lernen bleibt Lernen" (vgl. [1]) oder Schlagzeilen "Der Lehrer ist wichtiger als das Tablet" (vgl. [3]) oder "Revolution sieht anders aus" (vgl. [1]) helfen nicht weiter, diese Studie entsprechend zu betrachten. Zierer erweist seinerseits dem Thema einen Bärendienst, wenn er Interviews wie bei der "Augsburger Allgemeinen" abgibt (vgl. [3]) und Bücher mit dem Titel "Lernen 4.0" (vgl. [7]) veröffentlichen lässt.

Vielleicht wartet man einfach auf das Buch, das dazu erscheint. Denn Zierer kann sich nämlich sachlich mit dem Thema auseinandersetzen (vgl. [9]) und in Koorperation interessante Kurse anbieten (vgl. [10]), die eine negative Haltung der Digitalisierung nicht vermuten lässt. Ebenfalls erklärt sich an anderer Stelle sein Ansatz "Lernen bleibt Lernen" (vgl. [11]), der sich dadurch besser nachvollziehen lässt.

Seine Meinung zu diesem Thema bleibt mir ein Rätsel, denn besonders ein Kommentar von ihm zeigt, dass er beispielsweise mit dem Slogan "Pädagogik vor Technik" unterschwellig unterstellt, dass die Befürworter der Digitalisierung dies nicht im Blick haben und nicht so angehen (vgl. [12, 7]). Dies ist eine klassische Suggestion der Gegner der Digitalisierung (vgl. [13]). Auf der anderen Seite scheint er sich stark zu machen, um die Medienbildung und Medienkompetenz in der Lehrerausbildung zu fördern.

Zum Schluss bleibt mir zu sagen: Gegenhalten kann man, dass es Studien gibt, die den positiven Effekt bescheinigen, ohne polemischer Interpretation auskommen und ohne Tamtam auskommen, weil Bücher verkauft werden müssen (vgl. [5]).


Quellen
[1] https://www.sueddeutsche.de/bildung/digitalisierung-schule-tablet-1.4275720
[2] http://www.haz.de/Nachrichten/Medien/Netzwelt/Machen-digitale-Medien-den-Unterricht-besser
[3] https://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Der-Lehrer-ist-wichtiger-als-das-Tablet-id43141521.html
[4] http://blog.doebe.li/Blog/AnwaerterAufAntiDigitalArgumenteBingoPreis2019
[5] https://www.mdr.de/sachsen-anhalt/digitale-medien-nutzen-schueler-100.html
[6] https://sozpaed99.blogspot.com/2017/07/bitte-sachlich-bleiben-imho.html
[7] https://axelkrommer.com/2018/04/16/warum-der-grundsatz-paedagogik-vor-technik-bestenfalls-trivial-ist/
[8] https://sozpaed99.blogspot.com/2018/12/endlich-ende-der-kreidezeit-imho.html
[9] https://www.news4teachers.de/2018/09/digitale-bildung-worauf-es-beim-computer-einsatz-im-unterricht-wirklich-ankommt-ein-interview-mit-dem-bildungsforscher-klaus-zierer/
[10] https://mooc.house/courses/lernen40-2018
[11] https://www.die-debatte.org/digitalisierte-kindheit-interview-zierer/
[12] https://www.qualitaetsoffensive-lehrerbildung.de/de/kommentar-digitalisierung-und-lehrerbildung-1876.html
[13] https://sozpaed99.blogspot.com/2019/01/die-sechs-suggestionen-der-gegner-der.html

Sonntag, 13. Januar 2019

Die sechs Suggestionen der Gegner der Digitalisierung in der Bildung (IMHO)

Seit einiger Zeit mache ich einen neuen Trend bei den Gegnern (oder positiv formuliert: den Skeptikern) der Digitalisierung der Bildung aus. Sie arbeiten deutlich stärker mit Suggestionen, wobei die Tendenz dazu zuvor vorhanden war.

Donnerstag, 27. Dezember 2018

Endlich Ende der Kreidezeit (IMHO)

Arne Ulbricht beschreibt, dass er nichts mit den ActiveBoards anfangen kann. (vgl. [1]) Seine Begründungen sind nicht neu. Es ist möglich, dass diese Darstellungen auf seine Schule zutreffen. Sie reichen für eine allgemeine Verurteilung dieser Technik nicht aus und sind in diesem Kontext falsch:

  • ActiveBoards lassen sich nicht aufklappen: wie einige Kommentatoren ebenfalls anführten, gibt es diese Tafeln ebenso mit Flügeln, um Schülerinnen und Schüler hinter diese etwas schreiben zu lassen. An meiner Schule haben wir solche Tafeln. Rein technisch könnte man Schülerinnen und Schüler diese Aufgaben auf einem Smartphone oder Tablet fertigen lassen und zu gegebener Zeit, diese an das ActiveBoard zu übertragen.
  • Zeitgleiches Schreiben ist nicht möglich: in der Regel unterstützt die Software, die zu den ActiveBoards mitgeliefert wird, ein zeitgleiches Schreiben von mehreren "Händen" und "Fingern".
  • die Handschrift wird in eine Einheitsschrift umgewandelt: dies trifft bei keiner Tafel zu, die ich bisher kennengelernt habe. Im schlimmsten Fall ist das Display "pixelig", was sich auf die Schrift überträgt. Ansonsten bleibt eine Handschrift eine Handschrift.
  • eine Schiefertafel geht nie kaputt, die Technik eines ActiveBoards schon: es ist korrekt, dass ActiveBoards mehr Pflege bedürfen und bei einem Ausfall im besten Fall die Hälfte der Tafel nicht zu gebrauchen ist. Die Behauptung, dass eine Schiefertafel nie defekt werden kann, ist sehr weit hergeholt, denn dies lässt sich leicht durch eigene Erfahrung wiederlegen.
Ich persönlich sehe das Positive an dieser Technik:
  • bei Schiefertafel habe ich oft Kreide an der Kleidung. Meine Hände sind grundsätzlich mit Kreide verdreckt.
  • Das Tafelbild kann man nicht speichern. Die Abschrift ist unzulänglich, da sich ein Tafelbild nicht 1:1 auf ein DIN A4-Blatt übertragen lässt.
  • zu Hause kann ich ein Tafelbild vorbereiten und "genau" an das ActiveBoard übermitteln.
Trotz der Vorteile bevorzuge ich die Kombination Whiteboard (nicht ActiveBoard) mit Beamer, denn dies hat folgende entscheidende Vorteile:
  • ich kann meine eigene Technik mitbringen.
  • ich kann auf die Technik verzichten, wenn ich es für nötig erachte.
In der Zusammenfassung wirken die Argumente von Ulbricht vorgeschoben, um sich nicht mit der Technik auseinandersetzen zu müssen. Dabei ist es evident, dass die Digitalisierung Einzug in den Unterricht nehmen muss. Nicht nur aus dem Grund, wie eine Metastudie der TU München (vgl. [2]) zeigt, weil die Digitalisierung den Unterricht verbessert, sondern sie ist in der Welt. Sie ist Alltag.

Können wir diese Grabenkriege beenden, um uns endlich der Weiterentwicklung des Unterrichtes zu widmen. Daher beendet die Kreidezeit.

Quellen
[1] http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/lehrergestaendnis-digitale-schule-lasst-uns-die-tafeln-a-1243293.html
[2] https://www.mdr.de/sachsen-anhalt/digitale-medien-nutzen-schueler-100.html

Sonntag, 2. Dezember 2018

Es gibt sie doch... die guten Beiträge zur Digitalisierung

Ich hatte schon die Hoffnung aufgegeben, auf solche Beiträge, wie aus dem Deutschlandfunk, zu treffen.

In dem Beitrag "Digitalpakt: Sind unsere Schulen bereit für die Digitalisierung?" wird sich sachlich mit dem Thema auseinandergesetzt, fernab von Lankau, Spitzer und Co.

Ebenfalls lesenswert finde ich "Nachdenken first" von Wolfgang Schimpf, da es den Rahmen der sachlichen Auseinandersetzung nicht verlässt, obwohl er subjektive Untertöne einbringt.

Mittwoch, 28. November 2018

Meine persönliche Wette: tutory.de bis Schuljahresende und weiter

In meinem Artikel "Eine persönliche Wette: tutory.de bis zum Ende des Schuljahres" wollte ich mich ganz auf tutory.de konzentrieren.
Ich denke, dass mir dies gelungen ist, bis auf kleine Ausnahmen. Diese Ausnahmen sind fachlich begründet, da ich für mein Fach Mathematik teilweise eine komplette LaTeX-Implementierung oder ein individuelles Seitenlayout, dass sich beispielsweise nur mit Scribus sinnvoll umsetzen lässt, benötige.
Insgesamt komme ich auf 109 Arbeitsblätter, davon sind die meisten öffentlich. Mittlerweile erstelle ich nahezu ausschließlich mit tutory.de meine Materialien.

Mittwoch, 25. Juli 2018

DSGVO für die Schule - nur keine Panik

Aus Panik stellen einige Schulen und Lehrerinnen und Lehrer auf Papier und Stift um, damit sie beispielsweise ihre Zeugnisse schreiben können. (vgl. [2], [3], [4], [6])

Freitag, 29. Juni 2018

Die Verklärung des Analogen (IMHO)

Bei der Recherche zu meinem letzten Artikel habe ich diese Art von Artikel massenweise vorgefunden. Irgendwie schießen diese Ratschläge wie Pilze aus dem Boden: man lebt besser analog. (vgl. [4], [5])

Die magische Zahl 14

Seitdem ich meine Bestrebungen hinsichtlich Digitalisierung des Unterrichtes intensiviere, stoße ich gehäuft auf diese Zahl. In Gesprächen...